Eine liebevolle und zugleich etwas traurige Geschichte über Freundschaft, Toleranz und das Erwachsenwerden – mit karikaturistischen Zeichnungen, die das Herz berühren.

Buchtitel: Carlino Caramel
Autor: Jean-Jacques Sempé
Verlag: Diogenes Verlag
Auflage: 1 (1971, Zürich)
Seitenanzahl: 96
Worum geht es?
Der kleine Junge Carlino Caramel leidet an einer seltsamen Krankheit: Er bekommt ständig einen roten Kopf. Und zwar immer dann, wenn es eigentlich völlig unpassend ist und keinen Grund dafür gibt. Die Leute verwirrt das genauso wie ihn, weshalb er beschließt, auf die Gesellschaft anderer Kinder zu verzichten und lieber alleine zu spielen. Sein sehnlichster Wunsch ist, geheilt zu werden.
Diesen Wunsch hat auch der kleine Rudi Rettich; mit dem Unterschied, dass er aufhören möchte zu niesen. Die Leute hören Rudi bereits von Weitem und machen aus Angst, er sei erkältet und verschnupft, einen großen Bogen um ihn. Aber auch Rudi leidet lediglich an einer seltsamen Krankheit, was ihn aber ebenfalls zwangsläufig zu einem Einzelgänger macht.
Eines Tages laufen sich Carlino und Rudi über den Weg. Sie unterhalten sich lange über ihre „Besonderheiten“ und wie diese ihr Leben tagtäglich beeinflussen. Sie können sich so gut ineinander hineinversetzen und verstehen, dass sie dicke Freunde werden. Irgendwann verbringen sie jede freie Minute zusammen. Bis zu dem Tag, an dem Rudi plötzlich wegzieht. Was passiert nun mit ihrer Freundschaft? Überlebt sie eine große Entfernung, einkehrenden Alltag und das Älterwerden? Oder zerbricht sie daran?
Eine Geschichte, die ans Herz geht
Sempés Buch „Carlino Caramel“ ist eine wunderschöne und gefühlvolle Geschichte über zwei Menschen, die das gleiche Schicksal teilen. Obwohl ihre „Besonderheiten“ keine Gefahr für andere darstellen, werden sie dadurch von der Gesellschaft ausgegrenzt und gemieden. Zum Glück ticken Carlino und Rudi anders. Als sie sich über den Weg laufen, beweisen sie, wie einfach es ist, einen anderen Menschen trotz oder gerade wegen seiner „Besonderheiten“ so zu akzeptieren, wie er ist. Sie sehen einfach darüber hinweg und entdecken einzigartige Eigenschaften am jeweils anderen.
Sempé erzählt die Geschichte jedoch nicht nur mit Worten. Liebevolle, kleine oder auch mal größere Strichzeichnungen, die in Richtung Karikatur gehen, unterbrechen den Fließtext und verbildlichen die jeweiligen Szenen oder Gedanken der Figuren. Dabei verzichtet Sempé auf Farbe (mit Ausnahme des roten Kopfes von Carlino) und konzentriert sich stattdessen auf eine einfache, aber trotzdem detailreiche Linienführung.
So alt das Buch ist, so aktuell sind doch die Themen, die es aufgreift. Es schärft das Bewusstsein für mehr Toleranz sowie Respekt, aber auch für das Leben an sich, welches häufig unter dem geschäftigen Berufsalltag in Vergessenheit gerät. Jeder sollte einen kleinen Carlino oder Rudi im Herzen tragen.
Hinweis: Das Buch wurde im Jahr 2008 neu verlegt. Die Geschichte ist dieselbe geblieben. Allerdings wurde im Rahmen der Übersetzung aus dem (französischen) Carlino Caramel ein (deutscher) Benjamin Kiesel.