Ein philosophisch angehauchtes Buch, das einen ohne erhobenen Zeigefinger über das eigene Leben nachdenken lässt: Was wäre, wenn…

Buchtitel: Die Mitternachtsbibliothek
Autor: Matt Haig
Verlag: Droemer HC
Seitenanzahl: 320
Worum geht es?
Niemand scheint ihrem Leben mehr einen Sinn zu geben. Niemand scheint sie mehr zu gebrauchen. Die 35-jährige Nora erlebt einen ihrer schlimmsten Tage: Ihr Chef im Musikladen kündigt ihr den Job, ihr Klavierschüler beendet seine musische Laufbahn, ihr Bruder Joe hat den Kontakt zu ihr abgebrochen, ihr kranker Nachbar benötigt keine weitere Unterstützung von ihr und ihre Katze findet sie überfahren auf der Straße. Arbeitslos, ungeliebt, nutzlos und allein. In Nora herrscht ein wahres Gefühlschaos.
Damit nicht genug. Laute Zweifel werden in ihr wach. Was wäre, wenn sie vor vielen Jahren andere Entscheidungen getroffen hätte? Wenn sie heute Mitglied einer erfolgreichen Band wäre? Oder ihren Verlobten geheiratet und nicht zwei Tage vor der Hochzeit kalte Füße gekriegt hätte? Würde sie sich jetzt genauso schrecklich fühlen? Wäre sie genau am gleichen Punkt in ihrem Leben? Würde sie sich in diesem Moment ebenfalls nichts sehnlicher wünschen als zu sterben?
Nora beschließt, sich der Todessehnsucht zu ergeben. Sie bereut viel zu viel. Sie will mit den vielen Enttäuschungen und Fragen nicht weiterleben. Aber so einfach scheint es nicht zu sein, ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Nora landet in der Mitternachtsbibliothek, eine Bibliothek auf dem Weg zwischen Leben und Tod. Auf endlos langen Regalen stehen unzählige Bücher, wobei jedes Buch für ein anderes von Noras Leben steht. Ein Leben, in dem sie eine ihrer Entscheidungen sozusagen rückgängig machen kann. Was wäre also, wenn…
„Der einzige Weg zu lernen, ist zu leben“
Jeden einzelnen Tag treffen wir Hunderte von Entscheidungen. Große und kleine. Und jede dieser Entscheidungen führt zu einem anderen Ergebnis. Was wäre, wenn wir uns in einem bestimmten Moment anders entschieden hätten? Wenn wir nicht links herum, sondern rechts herum gegangen wären? Wie wäre unser Leben dann verlaufen? Welche Auswirkungen hätte diese eine winzige Veränderung?
Fragen, die sich jeder von uns bestimmt in seinem Leben schon gestellt hat – und vielleicht auch nicht nur einmal. Manchmal quälen sie uns unter Umständen so sehr, dass wir uns wünschten, zu diesem einen Punkt zurückspringen zu können. In der Annahme, dass dann alles besser und schöner ist. Aber wäre dem wirklich so? Handelt es sich nicht nur um reines Wunschdenken?
Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht. Aber Matt Haig versucht sich dem Ganzen in seinem Roman „Die Mitternachtsbibliothek“ anzunähern. Er veranschaulicht, dass wir häufig unserer Vergangenheit viel zu lange nachhängen. Die Frage nach dem „Was wäre, wenn…“ und „Hätte ich lieber…“ nimmt dabei einen unermesslichen Raum ein.
Natürlich lässt sich im Vornherein schwer sagen, welche Dinge uns wirklich glücklich machen. Aber häufig sehnen wir uns nach dem scheinbar Besseren in einem anderen Leben und verpassen das wahre Schöne im Hier und Jetzt. Wir lassen uns täuschen von gestellten Instagram-Bildchen. Lassen den Neid in uns aufsteigen und finden alles andere toller sowie lebenswerter als unser eigenes Dasein. Doch die Botschaft des Buches ist eindeutig: „Nicht was man betrachtet ist wichtig, sondern was man sieht. Und manchmal lernt man nur, wenn man lebt.“