Nach dem Abstecher in den Yosemite Park wollen wir unsere eigentliche Route hinunter nach Los Angeles fortsetzen. Unser erstes Tagesziel heißt Carmel-by-the-Sea. Laut unseres Reiseführers ist es „einer der mit Abstand hübschesten (und teuersten) Orte der ganzen Westküste“[1]. Viele Künstler, Prominente, Galerien und Boutiquen haben sich hier niedergelassen. Unter ihnen auch der Schauspieler Clint Eastwood, der als Bürgermeister von 1986 bis 1988 dem Städtchen zusätzliche Bekanntheit beschert hat.
Die wunderschönen, weißen Strände von Carmel-by-the-Sea sind schon von Weitem zu sehen. Auf einem kleinen erhöhten Aussichtspunkt machen wir Rast und blicken über den Strand und das Meer. Während uns der kalte Pazifikwind um die Ohren weht, beobachten wir die Spaziergänger, Muschelsucher und sandburgenbauenden Kinder. Als wir plötzlich mehrere, sich langsam bewegende Punkte in der Ferne als badende Menschen identifizieren, fröstelt es uns. Wir schätzen die Wassertemperatur einstellig ein – das ist definitiv nur was für Hartgesottene.


Wir fahren weiter, schnurstracks auf die über 1.055 Kilometer lange California State Route 1, auch Highway #1 genannt.[2] Die Straße führt direkt an der Küste entlang und bietet immer wieder traumhafte Blicke auf das Meer, die Buchten, die Brücken und die Berge. Eigentlich wird für den gesamten Abschnitt eine Etappenplanung von zwei Tagen empfohlen – nur so viel Zeit haben wir leider nicht. Aus diesem Grund fahren wir erst ab Santa Cruz bzw. Carmel auf den Highway und versuchen, die Strecke auf einen Tag zu kürzen.[3]
32 Brücken verbinden die Küstenabschnitte miteinander. Die beeindruckendste von ihnen ist die 200 Meter lange Bixby Bridge, mit deren Hilfe sich der ca. 75 Meter in der Tiefe verlaufende Pazifik und die vom Bixby Creek gebildete Gebirgsschlucht problemlos überwinden lassen. Als sie 1932 fertiggestellt wurde, war sie die größte Bogenbrücke in den Weststaaten. [4]



„Schnell kommt man auf dieser Straße nicht voran“, prophezeit uns unser Reiseführer. Wohl wahr! 🙂 Zum einen wechseln sich die sonnigen und die mit dichtem Nebel überzogenen Streckenabschnitte so plötzlich ab, dass wir nur mit geringer Geschwindigkeit vorankommen. Befinden wir uns jedoch in einem sonnigen Abschnitt können wir zum anderen der atemberaubenden Aussicht nicht widerstehen und nutzen die kleinen Haltebuchten am rechten Seitenrand immer wieder für einen kurzen Stopp.


Etwa 55 Kilometer von unserer Übernachtungsstätte in Morro Bay entfernt, sehen wir aus dem Beifahrerfenster unerwartet jede Menge parkende Autos und eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Menschen. Da wir uns gerade im Naturschutzgebiet Piedras Blancas (San Simeon, Kalifornien 93452) befinden, hat das sicherlich einen triftigen Grund. Wir blinken, parken und laufen neugierig auf den Holzzaun zu. Und werden nicht enttäuscht: Nur wenige Meter vor uns am Strand liegt See-Elefant neben See-Elefant. Obwohl zig Kameras auf die Tiere gerichtet sind, scheinen sie sich total ungestört und pudelwohl zu fühlen. Welch einzigartiger Anblick!
Die Zeit schreitet voran und die Dämmerung setzt langsam ein. Es ist nicht mehr weit bis Morro Bay, als uns abermals eine Horde von Menschen und parkenden Autos am Weiterfahren „hindern“ – dieses Mal allerdings auf der linken Straßenseite. Unser Gefühl hat uns schon beim ersten Mal nicht getrogen und so tun wir es den anderen gleich, halten an und wollen erneut erfahren, was es zu bestaunen gibt. Wir trauen unseren Augen nicht, als wir plötzlich vor einer großen Herde Zebras stehen – einen kurzen Moment fragen wir uns, ob wir wirklich in Amerika sind oder an einer Art Safari-Tour teilnehmen. 🙂



Das Wetter wird leider immer ungemütlicher. Mit einsetzendem Regen sehen wir jedoch endlich den Morro Rock, das imposante Wahrzeichen am Eingang von Morro Bay. Er bestätigt uns, dass wir unser heutiges Tagesziel erreicht haben.
Unser Fazit: Reiseführer versprechen wirklich nicht zu viel, wenn sie den Highway #1 und im Besonderen den Abschnitt von Carmel bis San Simeon als eine der schönsten Routen bezeichnen. Allerdings ist je nach Witterungsverhältnissen immer mal wieder mit dichten Nebelschwaden zu rechnen, von denen man sich aber nicht abschrecken lassen sollte.
Ein Tag ist für die oben genannte Strecke sehr kurz. Orientiert man sich an der empfohlenen Etappenzeit von 2-3 Tagen, sind deutlich mehr Stopps und kleinere Abstecher, wie z. B. zum 17-Mile-Drive, Point Lobos State Park oder Hearst Castle, möglich.
Quellenangaben:
[1] USA Südwesten, Reise Know-How-Verlag, 2014, ISBN 978-3-89662-178-8, Seite 604
[2] https://www.adacreisen.de/ratgeber/usa/highway-1 (letzter Abruf: 28.07.2019)
[3] USA Südwesten, Reise Know-How-Verlag, 2014, ISBN 978-3-89662-178-8, Seite 587
[4] USA Südwesten, Reise Know-How-Verlag, 2014, ISBN 978-3-89662-178-8, Seite 607