Es mag komisch klingen, aber ich liebe das Schreiben. Ich vermisse es, wenn ich es nicht mache. Und manchmal… Manchmal hasse ich es auch gleichzeitig, weil mir dieses eine verflixte Wort, nach dem ich gerade suche, einfach nicht einfallen will. Es lässt mich Verzweifeln. Es lässt mich „Manno“-rufend mit dem Fuß aufstampfen. Ist es dann vielleicht eher eine „Hassliebe“? Nein, soweit würde ich nicht gehen. Denn das positive Gefühl gegenüber dem Schreiben überwiegt eindeutig.
Was das Beste ist am Schreiben?
Das Beste ist dieser eine Moment, wenn das fertige, große Ganze vollständige Harmonie ausstrahlt. Wenn jedes Wort an seinem für ihn bestimmten Platz steht. Dafür wähle ich jedes Wort mit ganz viel Bedacht. Ich suche das perfekte Synonym. Und werde verrückt, wenn auch im Synonymwörterbuch keines davon meinem Anspruch gerecht wird.
Umso schöner ist das Gefühl, wenn ich dann doch fündig werde. Dann entsteht eine Art Erleichterung, ein Gefühl aus Kindertagen, als man mit den Freunden Verstecken gespielt hat. Das Gefühl, wenn man Sandy oder Alexander hinter dem Haus oder dem großen Kirschbaum entdeckt hat. „Gefunden!“
Buchstäbliche Leidenschaft
Was für die einen Musik ist, sind für mich Worte. Wie der Songwriter, der nach der passenden Note sucht, denke ich über die perfekten Buchstaben nach. Beschreibt das Wort genau das, was ich ausdrücken möchte? Oder gibt es einen viel besseren Ausdruck? Fehlt noch ein Adjektiv, das alles erlebbarer macht, die Sache besser umschreibt? Sind alle Worte geschickt aneinander gereiht, jedes Komma und jeder Punkt gesetzt? Erst dann verschmilzt alles zu einem Singsang. Es muss Harmonie ergeben, eine Melodie, die den Leser nicht stolpern oder stocken lässt, und gleichzeitig im Kopf bleibt. Vielleicht sogar zum Nachdenken anregt?
Damals wie heute…
Nach einem anstrengenden Tag kann Schreiben auch eine Art Meditation für mich sein. Gedanken loslassen, verarbeiten, zerstreuen. Als Kind übernahm das Tagebuch diese Aufgabe. Es lag verschlossen in der untersten Schreibtischschublade oder versteckt unter der Matratze. Sogar nach so vielen Jahren ist es schön, es von Zeit zu Zeit herauszukramen und darin zu schmökern. Faszinierend und erschreckend zugleich, welche Gedanken ein Kind damals bewegt hat und wie kompliziert einfache Dinge aus Kinderaugen erschienen. Heute lese ich sie und ertappe mich dabei, wie ich teilweise die Mundwinkel leicht nach oben zu einem kleinen, verschmitzten Grinsen ziehe. Und lächelnd sage „Ja. Damals.“.
Das Tagebuch ist einem Blog gewichen, die Leidenschaft fürs Schreiben geblieben. Ich bin selbst gespannt, welche Themen sich auftun, welche Gedanken den Weg über die Notebook-Tastatur auf den Blog finden werden. Ich weiß nur eines sicher: Ich freue mich darauf! 🙂